Be Unique? Oder besser nicht.

Jeder Bastler will etwas einzigartiges schaffen. Zumindest würde er es gerne mal.

Vielleicht sogar etwas, das so einzigartig ist, dass es ein Produkt werden könnte.


Aber ist das der richtige Weg? Wie macht das die Industrie? Wie hoch ist die Einzigartigkeit der Produkte?

Quasi null. Egal ob Getränk, Pullover oder Auto.


Beim Auto ist der Entscheidungsprozess eher emotional. Genau genommen, bei so ziemlich allem.

Es gibt nur "Addons" - mehr nicht. Alles, was die Sache an sich ausmacht, ist von der Seite betrachtet, egal.

Ein Auto. Groß. Alles andere rumherum ist blablub. Und dieses BlaBlub wird gekauft.

Selbst bei "enter whatever you want". Es ist nur Marketing.

Und das führt sehr schnell zu einer Überflutung von schönen, aber nicht hilfreichen Informationen.

Entscheidungslähmung. Zu viel Auswahl. Meint man. Aber man wollte ja Auswahl. Zwickmühle.

Es entsteht ein Kampf oder Flucht Moment im Hirn. Und das am Honigregal.


Denn bei genauer Betrachtung will man es nicht. 20 Sorten "xyz" im Laden führen dazu, dass man irgendwann nur noch hofft, nicht totalen Mist gekauft zu haben.

Darum hat man ja auch das gekauft, was nicht das billigste war.

Das mag sich jetzt widersprechen. Erst behaupte ich, dass es keine Einzigartigkeit gibt, und dann schreibe ich von zu viel Auswahl.


Der Level macht es aus.


Geht in eine beliebige Stadt. Was findet ihr beim IKEA? Andere Möbelhäuser.

McDonalds? Der nächst Burgerking ist oft in Sichtweite.


Kategorien und Variationen.

Wenig vom ersten - vieles vom zweiten.

Wenig Einzigartigkeit - viele Varianten.


Und was macht der von Varianten gelähmte Konsument? Er kauft die "Crossover-Variante".

Das geht vom Auto bis zur dampfenden Pizza. Bei PKWs ist dies die erfolgreichste Variante eines Modells.

Es werden einem alle Entscheidungen abgenommen. Schaut euch Dacia an. Das ist noch immer die gleiche Kiste, nur im neuen Kleid.

Das ist kein Ergebnis von Designentwicklung, sondern Marketinganalyse.

Der Käufer wurde durch Variationen überfordert und bekommt jetzt eine Lösung.


Kurzum: Anpassung ist erfolgreicher als neu. Ähnlich ist profitabler als Einzigartigkeit.


Horace Dediu hat dazu mal geschrieben:

Zitat

“They have the same bunch of cars, the same sizes, same cookie cutter as everyone else and they are all built using the same process… It’s the same process, it’s the same cost structure, it’s the same quality. So you can’t differentiate anymore.”

Branding / Marke

Man kann mehr oder weniger gar nicht mehr unterscheiden. Nimmt man das Logo weg - es ist alles gleich.

Denn Branding, also Marke(ntreue) ist in jedem Konsumenten hinterlegt. Von Kindheitstagen an.

Wir verbinden Marken mit Qualität. Umgekehrt auch so. "Früher stand *NAME* mal für Qualität."

Früher gab es auch keinen Vergleich. Aber so weit geht die Analyse im Eigenhirn meist nie.

Das Hirn mag es leicht und einfach. Einfache Lösungen und das Gefühl, das richtige gekauft zu haben.

Darum lesen wir auch unendlich viele Bewertungen durch. Selbst für eine Zahnbürste.


Die Marke geht im Kopf so weit, dass wir nicht nur Qualität, sondern auch Personengruppen und Charaktere damit verbinden.

"Hier. So ein Mercedes-SUV-Typ". Und? Schon eingeordnet?

"Ach. Das ist so einer... weißte ... der fährt schon ewig nen Golf."

Statussymbol. Next Level. Nicht Einzigartiger als ein Polo. Aber Teurer - Eine Variation durch den Preis.

Ein Bild von sich selbst in den Köpfen der anderen durch Identifizierung mit einer Marke erstellen und gleichzeitig Einzigartig aber auch dazugehörig sein.

Und ich wollte eigentlich nur Honig kaufen.


Und das sich alles ähnelt, nenne ich gerne den Windtunneleffekt.

Irgendwie ist etwas "neu und aufregend" wenn es Stromlinienförmig wird. Ob das Sinn macht oder nicht.

Es gibt etwas vermeintlich neues. Andere wollen auch daran verdienen. Schicken es durch den Marketing-Windtunnel und

Tada! Tolles Produkt. Ist das gleiche wie von Hersteller A, aber jetzt in Stromlinienform.


Was bedeutet das für einen Bastler, der evtl Ambitionen hat, auch zu verkaufen?

Meine klare Meinung: don't.

Wenn du etwas einzigartiges machen willst und damit erfolg haben willst, wirst du sehr wahrscheinlich frustriert pleite gehen.

Selbst im Hobby-Bereich sind Dinge, bei denen zumindest Freude am Wiedererkennen besteht, die erfolgreichsten.

Ich habe eine RGB-Binäruhr gebaut. Fast kein Feedback.

Ich gieße ein Chestburster-Fossil: 10 davon verkauft. Es hätten problemlos 20 werden können. Aber ich wollte nicht.


Damit möchte ich niemanden in seinem Drang stoppen, etwas neues zu wagen.

Nur sollte das dann wirklich allein aus dem Drang heraus entstehen und mit der Freude, etwas zu wagen.