Mann malt Frau

So jetzt mal auf die Schnelle:

zählt mir drei Künstler/Maler/Bildhauer auf.

Das könnte ihr schon anhand der Turtles schaffen :)


Und jetzt nehmt euch 15 Minuten Zeit um drei Frauen aus diesem Bereich aufzuzählen.


Keine 3 gefunden? Kenne ich.

Aber woher kommt das? Frauen werden gemalt - Männer malen Frauen.

So war das Bild früher. Und heute? Das ist ja alles nicht mal mehr ein Thema. Oder?


Tja, das hat sich das Museum Prado auch gedacht und eine eigene Ausstellung von Künstlerinnen aus der Renaissance gemacht.

Und die ist, wenn man es nicht mit Ironie betrachtet, irgendwie nach hinten losgegangen.

Die Kunst- bzw Ausstellungsszene in Deutschland ist nicht so sehr Männergeprägt.

Ausstellungsräume werden häufig von Frauen geleitet.

Das ist in Spanien anders.


Zur Sache:

Das Museum hat im Keller sehr sehr viele Bilder und andere Werke von weiblichen Künstlern.

Also stellen wir die mal aus.

Wie sollen wir die Ausstellung nennen?

Invitadas

(übersetzt: die Eingeladenen)

OK. Kann man machen. Das stellt dann zwar irgendwie die Frau in eine passive Rolle, aber man kann es auch kämpferisch und vor allem läuternd betrachten.

Eine Art Abbitte für 200 Jahre Kellerdasein.

Als dann eine Rentnerin beweisen konnte, dass eines der Bilder gar nicht von einer Frau ist, wurde es etwas peinlich.

Und die Wahrnehmung der ganzen Ausstellung in der Öffentlichkeit und durch Kunstkritiker geriet in eine eher frauenfeindliche Richtung.

"Gönnerhaft".

Aber was genau wurde denn ausgestellt?

Zum einen ist die Anzahl der Bilder nicht 100% von Künstlerinnen. Auch nicht 99%, wie durch die gute Frau bewiesen.

Es waren nur 60 von Frauen und noch immer 70 von Männern.

Ja, da kann man schon "Gönnerhaft" reininterpretieren.


Die Ausstellung beginnt mit hohen Bildern im Eingang. Und die sind von Männern gemalt.

Es sind große Bilder von Frauen. Klassische Marien. Sicherlich wunderschön. Und auch irgendwie das richtige Thema.

Aber dann halt auch Klischeehaft hoch zehn. Frauen mit Kinder, Frauen mit Blumen. Frauen beim Sticken.

Gefolgt von alten und neuen Frauenbildern. Dann geht es weiter zu einem Raum, in dem vor allem Männer den Frauen etwas erklären.

Ähm ... also ... soll das jetzt irgendwie was aussagen, dass die Frau in der Kunst hervorhebt?

Darunter aber auch die "Hellseherin" von Benlliure. Ein Bild von einer alten Frau, die in der Dunkelheit hockt. Wissend wirkend und irgendwie über den Dingen "hockend".

Ein Show-Stopper, da es danach, wer hätte es erwartet, in die Akt-Bilder-Ecke geht.

Porn ist immer hinten, kennt man aus der Videothek.

Interessant ist vielleicht das Werk von Aurelia Navarro. Ein Akt, der ihr 1908 einen Preis auf der nationalen Kunstausstellung gebracht hat.

Und danach wurde diese unsittliche Person von der Familie verstoßen und durfte den Rest ihres Lebens als Nonne verbringen.

DAS finde ich wirklich gut. So etwas muss genau in solch eine Ausstellung. Kunst ist Kunst :)


So weit so zweideutig. Der zweite Teil der Ausstellung ist dann 100% female gewidmet.

Klasse. Aber. Und kein kleines aber.

Es sind Gemälde von Blumen, Kinder, Stillleben.

Eier haben die Herren Aussteller ja. Stillleben. Quasi der Abschluss wieder an den Start getackert.

Wir starten mit gemalten Frauen + Blumen um am Ende zu beweisen, dass Frauen ja auch nur das können. Selbst wenn Sie sich in der Kunst versuchen.


Übel übel übel.

Ließe sich nur noch toppen, wenn ein schlechtes Kunstwerk dabei wäre.

Oder? Es geht noch besser.

Raimundo Madrazo hat ein Bild von einer Frau gemalt, die den Künstler malt. Also ein klassischer Rollentausch.

Aber sie malt schlecht. Harter Stoff. Das ist der Abschluss der Ausstellung :)


Aber das kann es ja nicht sein. So ein Museum muss sich doch etwas dabei gedacht haben.

Ich kann es mir nur mit Selbstironie erklären. Eine Art zu zeigen, wie dumm der Mann die Jahre über war.

Was er der Frau in der Kunst weggenommen hat und das er auch heute (der Aussteller/das Museum) nicht wesentlich dazugelernt hat.

Demütigung in Demut empfangen?

Aber auch das ist wieder gönnerhaft.


Ich bin sehr zwiegespalten. Zugegeben, es hat zu Diskussionen angeregt.

Deutlich mehr, als wenn man nur einfach wirklich gute Kunstwerke ausgestellt hätte.

Aber zumindest eine Katharsis in Form eines abschließenden Raumes voller wahrer Kunstwerke wäre wünschenswert gewesen.

Und dann am Ende auch das Bild von Madrazo.

Am Ausgang. Wo es hingehört.